Aus Alt mach Neu: Kaleidozyklus 2.0 im Mediaturm

Im Bischofswerdaer Mediaturm hat am 26. März 2026, pünktlich zum 799. Geburtstag der Stadt, der ursprüngliche Kaleidozyklus in neuer Form seinen Platz wieder eingenommen. Vom ersten Advent letzten Jahres bis Maria Lichtmess am 2. Februar spendete stattdessen dort ein 2,50 Meter großer Stern sein warmes Licht.
Eine weitere Neuheit sind auch zwei Edelstahlplatten an der Einfriedung der Ausgrabungsstätte des alten Rathauses. Die Tafeln, angefertigt von der Schönnbrunner Kunstschmiede Aurin, ersetzen zum einem zwei defekte Sicherheitsglasscheiben und zum anderen wird auf einer Tafel (Foto: Stadt Bischofswerda) die Funktion des Mediaturms näher erklärt. So steht dort unter anderem Folgendes: „Der Name Mediaturm leitet sich vom lateinischen Wort media ab und bedeutet Mitte oder Mittelpunkt. Und genau dort steht der Turm: im Schnittpunkt der Straßenachsen auf der Platzmitte. Die Höhe von 12,27 m symbolisiert die erste urkundliche Erwähnung Bischofswerdas im Jahr 1227. Zugleich erinnert der Standort in der Mitte des Altmarktes an den Turm des ersten Rathauses von 1286“.
Seinen Standort auf dem Altmarkt hatte das orangene Metallgestell 2007 bei der Neugestaltung des zentralen Platzes der Stadt erhalten. Obwohl die Umbauplanungen mit Bürgerbeteiligung und abschließenden Beschluss des Stadtrates liefen erhitzen sich auch heute noch viele Gemüter, sobald die Sprache auf den Mediaturm kommt. „So wie der Mediaturm in der Mitte des Altmarktes steht, sollte er auch einen Platz in der Mitte unserer Herzen finden. Mit der Installation des Herrnhuter Sternes haben wir den ersten Schritt dazu getan – mit der Umgestaltung des vom Dresdener Künstler Uwe Hempel geschaffenen sogenannten Kaleidozyklus gehen wir den nächsten“, erklärt Oberbürgermeister Holm Große. Das Stadtoberhaupt kann sich auch noch weitere Objekte im Mediaturm vorstellen, zum Beispiel eine Discokugel zum Stadtfest, den Schiebocker Tagen, oder einen Erntekranz zum Herbstmarkt. Zur Realisierung werden aber noch entsprechende Finanzen benötigt. „Deshalb erinnere ich nochmal an die Aktion von Edeka Kuhrt. Kaufmann Maik Kuhrt stiftet im September ein Prozent aller Einkäufe, die seit letztem Jahr im September mit der ,Bischofswerda-Karte‘ getätigt wurden, für die weitere Umgestaltung unseres Altmarktes“.
Die Umbauarbeiten am Kaleidozyklus und die Neuinstallation der Edelstahlplatten kosten rund 5.600 Euro. Die Platten schlagen, inklusive Gravur, mit 2.150 Euro zu Buche – sind dabei aber immer noch günstiger als der reine Austausch des Sicherheitsglases.
Mit Hilfe des Bundesprogramms „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ konnte währenddessen pünktlich zur Weihnachtszeit des vergangenen Jahres eine Seilzug-Hebevorrichtung durch die Kunstschmiede Aurin installiert werden. Diese sorgt mit einem integrierten Befestigungssystem für einen unkomplizierten Austausch der jeweils im Turm befindlichen Objekte. Kunstschmied Steffen Aurin (im Foto rechts) war es auch, der gemeinsam mit Oberbürgermeister Holm Große (im Foto links / Foto: Stadt Bischofswerda) einer der Ideengeber zur Umgestaltung des Kaleidozyklus war. Auf den Flächen des kristallförmigen Körpers sind unter anderem Jahreszahlen und Motive aus der Stadtgeschichte dargestellt: 1286 für das erste Rathaus, die Stadtwappen von 1361 und 1559, die ersten Innungen von 1406 und der Bau der sächsisch-schlesischen Eisenbahn um 1845. „Der ursprüngliche Kaleidozyklus war aus unsere Sicht künstlerisch nicht wirklich wertig, wirkte in seiner Form sehr ,wild‘ und geometrisch etwas undefiniert. Unser Ansatz war es daher, die Gestaltung zu ordnen und klarer zu strukturieren“, erklärt Steffen Aurin.
Der Kaleidozyklus wurde deshalb so umgebaut, dass sich die Form stärker an klaren geometrischen Linien und am Goldenen Schnitt orientiert. Steffen Aurin verspricht, dass das Objekt für den Betrachter nun ruhiger, verständlicher und harmonischer wirkt, während die ursprünglichen Motive der Stadtgeschichte weiterhin erhalten bleiben.
Gleichzeitig bestand der Wunsch der Stadtverwaltung, am Kaleidozyklus zwei freie Flächen zu schaffen, die künftig für Informationen oder Ankündigungen genutzt werden können – zum Beispiel für Veranstaltungen oder auch für das 800-jährige Stadtjubiläum Bischofswerdas im Jahr 2027 (Foto: Stadt Bischofswerda). Am Abend schaltet sich zudem die Innenbeleuchtung des Objekts ein, um die Flächen des Kristalls auch bei Dunkelheit sichtbar zu machen. So verbindet der Umbau nun die ursprüngliche künstlerische Idee mit einer klareren harmonischeren Formensprache und zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten für die Stadt Bischofswerda.
Kunst im öffentlichen Raum sorgt meist für Diskussionen, sicherlich auch die jetzige Neugestaltung, weiß auch Holm Große. So war es in Bischofswerda auch vor 100 Jahren mit dem Paradiesbrunnen, der volkstümlich genannte Evabrunnen ist heute nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken. Der Sächsische Erzähler schrieb damals: „Der Brunnen fügt sich sehr gut in das Bild unseres Marktplatzes. Die Meinungen über den künstlerischen Wert sind, wie bei jedem Kunstwerke, noch verschieden; vielleicht werden erst spätere Generationen die eigenartige Schöpfung Köppls in ihrem vollen Werte zu würdigen verstehen“. Der Oberbürgermeister hofft beim Mediaturm nun auf den Evabrunnen-Effekt…






